Informationen zu ADS / ADHS

Kennen sie den “Zappelphillip” und den “Hans-guck-in-die-Luft”? Die beiden Geschichten stammen aus dem Kinderbuch “Der Struwwelpeter”. Was ist aber, wenn Sie ein solches Kind zu Hause haben. Nun, dann ist es gut möglich, dass Ihr Kind am ADS oder ADHS leidet.

ADS bedeutet “Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom”. Bei der Bezeichnung ADHS kommt noch eine sogenannte Hyperaktivitätsstörung hinzu.

Bei Kindern mit ADS oder ADHS sind (nach DSM-IV) mindestens sechs der folgenden Symptome in einem unangemessenem Ausmaß vorhanden

Unaufmerksamkeit
  • Das Kind beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler.
  • Es hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.
  • Es scheint häufig nicht zuzuhören, wenn es von anderen angesprochen wird.
  • Es führt Anweisungen unvollständig aus und kann Arbeiten nicht beenden.
  • Es hat Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren.
  • Es hat eine Abneigung gegen Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengungen erfordern.
  • Es verliert häufig Gegenstände, die für Aufgaben oder Aktivitäten gebraucht werden.
  • Es lässt sich durch äußere Reize leicht ablenken.
und/oder Hyperaktivität
  • Es zappelt häufig mit Händen oder Füßen, oder rutscht auf dem Stuhl herum.
  • Es steht in Situationen auf, in denen Sitzen erwartet wird.
  • Es hat häufig Schwierigkeiten, sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen.
  • Es redet häufig übermäßig viel.
Impulsivität
  • Es platzt häufig mit Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
  • Es kann nur schwer warten, bis es an der Reihe ist.
  • Es unterbricht und stört andere häufig.

Treten einige dieser Symptome bereits vor dem 7. Lebensjahr, in verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Schule und zu Hause) und länger als sechs Monate auf, so kann ADS/ADHS vorliegen. Wichtig ist eine genaue Diagnostik, um eventuelle andere psychische Störungen auszuschließen, die das gleiche Erscheinungsbild hervorrufen.

Aus den obengenannten Schwierigkeiten können sich für die Kinder auch weitere Probleme (Sekundärsymptomatik) entwickeln. Dazu zählen unter anderem ein niedriges Selbstwertgefühl, starke Stimmungsschwankungen, ein gestörtes Sozialverhalten, Trotzverhalten sowie Lern- und Leistungsstörungen.

Die Ursachen für ADS/ADHS sind vielfältig und von Kind zu Kind sehr verschieden. Man ist sich jedoch einig, dass folgende Faktoren ADS/ADHS verstärken:
  • familiäre Instabilität
  • inkonsequenter, strafender Erziehungsstil
  • niedriger sozioökonomischer Status
  • viel Fernsehen und/oder Computerspielen
  • wenig Bewegung
Positiv wirkt sich Folgendes aus
  • hohe Intelligenz
  • liebevolle Konsequenz in der Erziehung
  • intakte Eltern-Kind-Beziehung
  • soziale Eingebundenheit
  • frühzeitige, längerfristige multimodale Therapie (Kombination verschiedener Therapien und Förderungen)
Die Therapiemöglichkeiten sind breit gefächert. Am Besten ist die eben genannte Kombination mehrerer notwendiger Therapien und Förderungen. In Frage kämen hierfür
  • Psychotherapie
  • Familientherapie
  • Elterntraining
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Medikamente (eventuell begleitend; sollten niemals ohne begleitende Therapie verschrieben werden)

Eltern von Kindern mit ADS/ADHS geben häufig an, dass Sie beim Hausaufgabenmachen am meisten gestresst sind. Christine Falk-Frühbrodt, M.A.-Erziehungswissenschaftlerin, Psychologin, ADS-Elterntrainerin und Leiterin des Instituts für integratives Lernen und Weiterbildung, hat eine Liste mit Tipps zusammengestellt, die helfen sollen, die Hausaufgabensituation für Kinder und Eltern angenehmer zu gestalten:

  • fester Zeitpunkt für Hausaufgaben und Lernzeiten (ggf. Wecker als akustisches Signal)
  • gleicher Ort, möglichst reizarm
  • Rituale
  • Selbstständigkeit nicht zu früh erwarten, aber nur so viel Hilfe wie nötig
  • Zeitgefühl trainieren: Hausaufgabenzeit schätzen lassen – Zeit messen – danach vertrödelte und verdiskutierte Zeit der tatsächlichen Arbeitszeit gegenüberstellen
  • Große Aufgaben in kleine unterteilen
  • Neues ausprobieren (z.B. Musik beim Lernen, Sitzball, Knetball, Kaugummi kauen lassen zur Förderung der Konzentration)
  • Bewegung zulassen, etwa bei Ermüdung (wichtig: keine Tobespiele, sondern strukturierte Bewegungen, z.B. etwas holen lassen oder Übungen aus dem Brain-Gym)
  • Sofortiges, genaues, echtes, wohldosiertes und uneingeschränktes Lob für Leistungen und Bemühungen
  • Geeignetes Schreibgerät, eventuell auch Computer
  • Schultasche nach den Hausaufgaben für den nächsten Tag packen
  • Rücksprache mit dem Lehrer halten (Hausaufgabenumfang angemessen?)
  • Hausaufgabenbetreuung an Dritten abgeben (z.B. Schüler,Student), wenn es häufig zu Konflikten kommt und die Hausaufgaben zu lange dauern

Ebenso schwierig ist die Situation für Lehrer, denn Kinder mit ADS/ADHS blühen in Gruppen erst richtig auf. Wie kann man nun ein unaufmerksames und/oder hyperaktives Kind fördern und gleichzeitig der Gruppe gerecht werden? Auch hierfür gibt es eine Reihe von Tipps, zusammengestellt durch Frau Falk-Frühbrodt:

  • möglichst reizarmes Klassenzimmer (nicht zu bunt, nicht ständig umgestalten, Fenster schließen)
  • darauf achten, dass auf dem Tisch des Kindes nur das momentan benötigte Arbeitsmaterial liegt
  • Kind nach vorn an Einzeltisch oder neben ein ruhiges Kind setzen
  • Bewährte Sitzordnung beibehalten (kein Rotationsprinzip)
  • Zurückholen des Kindes durch taktile Signale (z.B. Hand auf Schulter legen), Blickkontakt und persönliche Ansprache (z.B. nicht bloßstellende Verständnisfragen: “Weißt du, was du jetzt tun sollst?”)
  • Förderung der Aufmerksamkeit durch Rituale (z.B. Klangschale)
  • Klare Aufforderungen bzw. Arbeitsanweisungen mit nachfolgender Kontrolle
  • Komplexe Aufgabe in Teilschritte unterteilen
  • Konsequente, positive Verstärkung durch sofortiges, genaues, echtes, wohldosiertes und uneingeschränktes Lob (kein “aber” anhängen)
  • Bei der Stoffvermittlung möglichst viele Sinneskanäle ansprechen
  • Möglichst viel handlungsorientierter Unterricht (Experimente, Modelle bauen)
  • Klare, posititv formulierte Verhaltensregeln, die mit Kindern erarbeitet und visualisiert werden
  • Bewegungsdrang kanalisieren, indem das unruhige Kind sinnvolle, mit Bewegung verbundene Aufgaben bekommt (z.B. Tafel wischen, Kreide holen)
  • Eltern als Partner sehen und regelmäßigen Kontakt pflegen (auch mal bei Eltern melden, wenn es gut läuft)

Wenn Sie sich weiter zu diesem Thema informieren wollen, besuchen Sie doch mal die Seite von Christine Falk-Frühbrodt, Erziehungswissenschaftlerin, Psychologin, ADS-Elterntrainerin und Leiterin des IFLW (Institut für integratives Lernen und Weiterbildung): www.iflw.de oder www.ads-kurse.de.