Redeflussstörungen

Stottern gehört zu den Redeflussstörungen. Es gibt zwei verschiedene Formen:

  1. das erworbene Stottern, welches meist plötzlich im Erwachsenenalter auftritt und durch neurologische Defekte (nach Unfällen oder in Verbindung mit Dysarthrie, Apraxie, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson) oder psychogene Störungen (im Zusammenhang mit einem Trauma oder einer psychischen Grunderkrankung) bedingt sein kann.
    Diese Form des Stotterns kommt eher selten vor.
  2. Weitaus häufiger tritt das idiopathische (aus sich selbst heraus entstandene) Stottern auf, welches sich schon in früher Kindheit entwickelt.
    Die Ursachen hierfür sind nicht grundlegend geklärt.

Das idiopathische Stottern äußert sich in den Bereichen Atmung (Respiration), Stimmgebung (Phonation), Sprechablauf und -motorik (Artikulation) durch:

  • Wiederholung von Lauten, Silben, Wörtern und/oder Satzteilen
  • Langziehen/Dehnen von Lauten
  • Blockieren der Sprechwerkzeuge (plötzliches Steckenbleiben vor oder im Wort)
  • Zwischenschieben von Lauten (Lückenfüller wie “äh” etc.)

Manchmal kommt es auch zu Mitbewegungen von Augen-, Gesichtsmotorik, Armen oder anderen Körperteilen. Dies bezeichnet man als Sekundärsymptomatik.

Die Symptome sind sehr verschieden und unterschiedlich stark ausgeprägt. Auch die jeweilige Situation hat Einfluss auf das Stottern: Vor Fremden ist das Stottern meist stärker. Das Stottern tritt unabhängig vom Willen des Sprechers auf.

In der normalen Sprachentwicklung von Kindern kann es auch zu einem sogenannten entwicklungsbedingten Stottern kommen. Dieses klingt “lockerer” als das “echte” Stottern und die Kinder erzählen unbekümmert, ohne die Symptome wahrzunehmen. Sollte jedoch ein Verdacht auf ein beginnendes chronisches (dauerhaftes) Stottern aufkommen, so sollte unbedingt der Rat eines Arztes oder Logopäden gesucht werden.

Betroffene bleiben ihr Leben lang Stotterer, sodass es sinnvoll ist, eine Therapie so früh wie möglich beginnen zu lassen. Aber auch im Jugend- und Erwachsenenalter kann eine Therapie erfolgreich sein!

Ziel einer solchen Therapie ist ein entspanntes und angstfreies Kommunizieren. Je nach Stärke des Stotterns bedeutet dies: “normales”, flüssiges Sprechen oder flüssiges Sprechen mit minimalen Stottersymptomen. Beides geschieht entweder über eine indirekte Behandlung (wo vor allem die Eltern gefragt sind) oder über die direkte Arbeit an den Symptomen. Hierfür liegen viele Konzepte vor, die individuell für den Patienten ausgewählt werden müssen.

Wenn Ihr Gesprächspartner stottert -dies können sowohl Kinder als auch Erwachsene sein-, versuchen Sie sich darauf einzustellen, indem Sie:

  • sich Zeit nehmen, Ihr Gegenüber aussprechen lassen und nicht zum schneller sprechen drängen,
  • Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen (z.B. nicht ständig auf die Uhr schauen oder ungeduldig mit dem Fuß wippen),
  • Blickkontakt aufnehmen und halten, damit Ihr Gesprächspartner weiß, dass Sie ihm zuhören,
  • den Inhalt ernst nehmen und auch fehlerhaftes Sprechen akzeptieren (nicht zum Nochmal-Sagen auffordern, wenn Sie den Sinn bereits verstanden haben) und
  • ein gutes Sprachvorbild geben (langsames, lautes und deutliches Sprechen).

So können Sie das Selbstvertrauen des Stotterers stärken und die Stottersymptome treten dann oft schon seltener auf.